Kritik: »Star Wars - Episode 1: Die dunkle Bedrohung« (1999)
Autor: Zippo Zimmermann

 

Atmosphäre, Charme, Stil, Klasse und vor allem liebevoll und detailliert gezeichnete Charaktere: es bleibt uns nichts anderes übrig, als diese Themen anzuschneiden. Denn den vierten (also eigentlich ersten) Teil der Star-Wars-Saga unabhängig von den klassischen Filmen bewerten zu wollen, kann »Episode 1: Die dunkle Bedrohung« genau so wenig gerecht werden.

Kurz zur Story: Das gleichsam friedliche wie idyllische Planetchen Naboo wird von der arglistigen Handelsföderation besetzt, bei deren Mitgliedern es sich unüberhörbar um mutierte Nachfahren unserer lieben französischen Nachbarn handelt. Angeleiert wird die Missetat vom schurkischen Darth Sidious und dessen Schüler, dem durchtriebenen Darth Maul.
Die edelmütigen Jedi-Ritter Qui-Gon Jinn und Obi-Wan Kenobi befreien jedoch die noch edelmütigere Naboo-Königin Amidala, um ihren Fall vor dem Senat der Republik vorzutragen. Unterwegs lesen sie den ebenso hochbegabten wie neunmalklugen Bengel Anakin Skywalker (den wir in den früheren Filmen als asthmatischen Erzschuft »Darth Vader« kennenlernen gehabt werden) auf. Nachdem eine politische Lösung des Falls aussichtslos ist, kehrt das Team wieder nach Naboo zurück um dort mit Hilfe des schrulligen Völkchens der Gunganer unter viel Lärm und Getöse den Planeten eigenhändig von den Invasoren zu befreien.

Unterstützt, sowohl vom gewaltigsten PR-Rummel seit Spielbergs Dinosauriern als auch vom Kultstatus der legendären Star-Wars-Filme (oder »Krieg der Sterne«, wie es damals noch hieß), schraubte Regisseur und Autor George Lucas die Erwartungen gegen unendlich – Erwartungen an denen »Die dunkle Bedrohung« fast zwangsläufig scheitern mußte.

Zunächst einmal ist »Dunkel« in dem neuen Streifen eigentlich gar nichts: Während sich die Helden in den alten Filmen noch mit dem schrottigen aber charmanten »Millenium-Falken« durch den Weltraum kämpften, bewegt man sich nunmehr ausschließlich mit hochglanzpolierten Raumschiffen durch die Weiten des Alls. Überhaupt ist alles so schön bunt hier: sonnendurchflutete Städte, poppige Aliens, funkelnde Raumstationen – alles sehr liebevoll und detailliert gezeichnet, jedoch frei von jeglichen Zwischentönen. Selbst die Monster-Fische, die unsere tapferen Jedi-Ritter bedrohen wirken eher disneyesk denn furchteinflößend. Und mit der »Bedrohung« ist es leider auch nicht weit her: Hatte Darth Vader durch die Auslöschung eines ganzen Planeten oder die Erdrosselung unfolgsamer Untergebener noch ausgiebig Gelegenheit seine ganze Fiesheit unter Beweis zu stellen, darf Darth Maul gerade mal zwei Sätze sagen und anschließend Qui-Gon Jinn über die Laser-Klinge hüpfen lassen, bevor er selbst seinen Odem aushaucht und für immer von der Bildfläche verschwindet. Daß George Lucas Darth Mauls Maskenbildner geradeweg vom Kölner Karneval engagiert zu haben schien, ist seiner bedrohlichen Wirkung gleichfalls nicht allzu dienlich.

Auch den anderen Figuren bleibt kaum Zeit sich zu entwickeln: die Beziehungen zwischen den beiden Jedis untereinander und zur Königin bleiben an der Oberfläche. Warum Qui-Gon Jinn am jungen Anakin einen Narren gefressen hat, wird zwar mit Worten begründet – emotional nachvollziehen kann der Zuschauer es nicht.

Einzig Königin Amidala zeigt gewisse Klasse: Die zierliche Power-Frau mit dem Hang zu ausgefallenen Frisuren scheint durchaus eine würdige Nachfolgerin (also Vorgängerin) von Prinzessin Leia zu sein, was nicht verwundert, wenn man bedenkt, daß sie schließlich Leias Mutter gewesen sein wird. Wenn sie vor dem vermeintlich primitiven Gungan-König in die Knie geht, um ihn um seine Unterstützung gegen die Invasoren zu bitten, so ist das tatsächlich ein bewegender Moment – einer in 130 Minuten: naja, besser als nichts.

Jar Jar Binks, der trottelige Begleiter unserer Helden, soll wohl irgendwie in bekannter Disney-Manier die jüngeren Zuschauer ansprechen. Mit etwas gutem Willen kann man seine Slapstick-Einlagen anfangs noch einigermaßen amüsant finden, auf die Dauer zeigt der digitale Lurch jedoch die Tendenz zur Super-Heftig-Nervensäge.

Nun, auch die früheren Star-Wars-Filme waren nicht gerade bekannt für ihre tiefgründige Handlung. Doch während man in den Teilen 1 und 3 (Pardon: 4 und 6 natürlich) wenigstens noch versuchte den Anschein zu erwecken das verfilmte Videospiel wäre von irgendeiner Bedeutung für die Handlung, wirkt das – zugegeben optisch äußerst beeindruckende – »Pod-Rennen« komplett aufgesetzt.

Selbstverständlich ist von vornherein klar, daß Klein-Anakin das Rennen gewinnen wird. Daß die Raumstation der Invasoren am Ende mehr oder weniger per Zufall auseinanderfliegt und unsere Helden nie länger als wenige Sekunden in ernsthafter Bedrängnis sind, läßt einem auch nicht gerade den Atem verschlagen. Daß der Film trotzdem nicht wirklich langweilig wirkt, verdankt er seiner nie versiegenden Flut an optischen Einfällen und seinem rasanten Tempo.

Interessantes Detail am Rande: Während es im ersten (Also viert... Ihr wißt schon ...) Teil der Star-Wars-Saga noch ganz im Siebziger-Jahre-Hippie-Zeitgeist hieß »Vertrau nur auf dein Gefühl«, und die »Macht« ihren Ursprung im Mystisch-Religiösen hatte, gibt es in »Episode 1« eine wissenschaftlich-rationale Erklärung: Mikrobiologische Organismen leben in Symbiose mit den Menschen und sind Quelle der übersinnlichen Kräfte der Jedi-Ritter.

Fazit: »Die dunkle Bedrohung« ist ein knallbuntes, lärmendes und dabei durchaus unterhaltsames Science-Fiction-Spektakel, das allerdings jeden Vergleich mit seinen Vorgängern, Nachfolgern oder wie auch immer, scheuen muß.

Zippo Zimmermann, 20. 08. 1999

 


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